Beziehungsarbeit

Unbedingt notwendige Vorbemerkungen

Ein Montagabend im Mai. Zwei Männer treffen sich via Discord zum Testen neuer Strecken. Noch bevor richtig es losgeht die Killerphrase: „Wir müssen reden“ – irgendwas mit „Gesamtsituation“  und „unbefriedigend“… es ist unverkennbar, dass Beziehungsarbeit dringend geboten ist. Was tun? Beide sind da eher unbeholfen. Paartherapie sei das Zauberwort, aber wie funktioniert so etwas? Die beiden überragend großen Frauenversteher kennen natürlich Cosmopolitan („das Frauenmagazin für Mode, Beauty, Liebe, Erfolg, Karriere und Trends“) und das hat jeden Monat neue Tipps und Ideen, wie man in eine Beziehung wieder Schwung bringt. Hektisches Blättern in alten Ausgaben beginnt.

Stunden später:

  • Die Lösung: Cosmo empfiehlt einen Rollentausch; jeder soll mal die Funktionen und Aufgaben des anderen übernehmen, um sich vollständig in dessen Situation zu versetzen. Das schafft Verständnis, neue Einblicke und führt letztlich zu tiefer Harmonie.
  • Das Ergebnis: viel frischer Wind in der Beziehung und wieder 100%ige Stabilität, die allen Belastungen und Herausforderungen standhält – eine intensive neue Zweisamkeit.  
  • Und: eine Straßen-Sprintstrecke auf Fortune Island – geiles Layout, geiles Auto.

Ein Erfolgsmodell für die Zukunft?

Die Strecken und Fahrzeuge im Juli:

Eine vom Azubi

  • Startpunkt: Fortune’s Decent, Sprint  (Fortune Island)
  • Freigabecode: 521 471 337 (Eingabe ohne Leerzeichen)
  • Jahreszeit: Herbst
  • Länge: 8,8 km 
  • Auto: 2012 Eagle Speedster
  • Upgrade: A 740 (LI muss exakt der Serienausstattung entsprechen)
Freigabecode 816 642 520
Design von Pfiffikuss007

Einmal wollten wir auch eine Straßenstrecke auf Fortune Island (eine weitere Dirt folgt noch im September oder Oktober). Die Grundidee war, im Norden zu starten, weil es dann lange abwärts geht. Und das bringt durch die hohe Geschwindigkeit ein bisschen Herausforderung in den nicht allzu engen Kurvenkombinationen. (Mehr Hintergründe zur Entstehung und Umsetzung dieses ganz besonderen Werkes gibt es im Abschnitt „Ein Blick hinter die Kulissen“ weiter unten.)

Um auch noch die Haarnadel in der Kartenmitte einzubauen – ohne die geht es nicht! – ist die Strecke mit fast 9 km grenzwertig lang geworden. Aber sie fährt sich flüssig und wie wir glauben auch ohne jegliche Bosheiten.

Der Speedster sollte mit seinem Leistungsindex und seinen Fahreigenschaften richtig gut zur Strecke passen. Da wir für Dirt schon vor Monaten einen Briten festgelegt hatten, passt doch auch noch ein zweiter bestens dazu. Und außerdem ist er wunderschön!

… und eine vom Chef

  • Startpunkt: Lake District, Sprint
  • Freigabecode: 160 151 482 (Eingabe ohne Leerzeichen)
  • Jahreszeit: Frühling
  • Länge: 6,8 km
  • Auto: 1986 MG Metro 6R4
  • Upgrade: S1 852 (LI muss exakt der Serienausstattung entsprechen)
Freigabecode 475 545 812
Design von Kmarks Schinar

Zuerst ein bisschen Asphalt, um dorthin zu kommen, wo der Spaß beginnen kann. Dann ein Dirtabschnitt, der in keiner H4-Originalstrecke verwendet wird, obwohl er sich wunderbar eignen würde. Zur Vermeidung eines längeren Asphaltstücks ein kurzer Ausflug off-road und als krönender Abschluss ein paar Kurven in den Mortimer Gardens. Die scharfe Linkskurve gleich nach dem Tunnel musste „auf nicht verhandelbaren Wunsch“ eingebaut werden. Sonst sei das alles viel zu einfach.

Der MG Metro in der Ausführung 6R4 ist ein Rallyeauto der berühmt – berüchtigten Gruppe B. Darüber gab es letzten Monat schon einen langen Beitrag mit viel Hintergrundinformation. Ein Wagen der mit viel Aufwand und Engagement gebaut wurde, dann im Renneinsatz anfänglich an ein paar Kinderkrankheiten litt und als er zum Siegerauto mutieren sollte, kam das Aus für die Gruppe B. Bei unserer Challange sind ihm der Sieg und alle Podestplätze sicher – das hat sich das Auto auch wahrlich verdient.

Meldung der Zeiten:  Zeiten könnt ihr uns entweder über unseren Discord-Channel mitteilen, oder als Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen.

Designs: von Pfiffikuss007 gibt es den 2012 Eagle Speedster im speziellen MIKE-Design. (Freigabecode: 816 642 520)

den 1986 MG Metro 6R4 gibts von Kmarks Schinar (Freigabecode: 475 545 812)


Bild (Eagle): wie gehabt … Danke Speed Beer 250

Gleich mal vorab zur Klarstellung: das wird kein Tutorial („Streckenbau für Dummies“) sondern (nur) eine kurze Darstellung, wie eine Strecke von der Idee über den Entwurf zur finalen Auswahl entsteht. Ein Prozess, der sich im Regelfall über mehrere Monate zieht.

Mehr als zwei Drittel der heurigen Strecken basieren auf Entwürfen von letztem Oktober und November. Mike wollte für die neue Saison schon im Dezember mindestens das ganze erste Halbjahr fixieren (Strecken und Autos). Vorab haben wir einige Rahmenbedingungen  festgelegt:

  • Wie bisher im Regelfall je eine Straßen- und Dirtstrecke;
  • Fahrzeit unter 4 Minuten – damit ergibt sich eine optimale Länge auf der Straße (je nach Autoklasse) von rund sechs bis maximal neun Kilometern, bei Dirt etwas kürzer;
  • Checkpoints sollen tunlichst massives Abkürzen und Ausweichen in die Botanik verhindern und eher schmal gesetzt werden;
  • Zwei Jahrestage – im März der Audi R8 und im Juni der Dino.

Mike bekam von mir eine Excel Datei mit Streckencodes und ein paar Bemerkungen zu Verlängerungs- oder Kürzungsmöglichkeiten und meiner Vorstellung für die Autoklasse. Dann beginnt das Testen:  welcher Entwurf hat Potenzial, wie kann er verbessert werden, was ist unbrauchbar und kann gelöscht werden, welches Auto könnte passen und wie stellen wir die monatliche Abfolge zusammen. Da es deutlich mehr Autos gibt als attraktive Streckenlayouts, folgt die Autoauswahl meist dem Streckendesign. Anders war es natürlich im März und Juni, wo das Auto feststand und eine passende Strecke zu entwerfen war.

Aber zurück zum Anfang und den ersten Entwürfen:

  • Streckenbau ist eine Angelegenheit für verregnete Wochenenden. Es beginnt meist mit einem Blick auf die Karte und einer groben Planung vor dem geistigen Auge. Man könnte es zusammenfassen mit „die ständige Suche nach Kurven aber irgendwie anders zu fahren als bei bisherigen Strecken“. Horizon bietet durchaus ein paar tolle Stellen mit engen Kurvenkombinationen – ihr kennt sie alle von bisherigen Strecken – aber der Großteil der Karte außerhalb der Ortschaften besteht aus Geraden oder langgezogenen Kurven, die fast wie Gerade gefahren werden können.
  • Der erste Entwurf ist ein gemütliches Abfahren der Strecke ohne Checkpoints (um auch beliebig weit zurückfahren zu können – sind CPs gesetzt geht nur noch Rückspulen und das ist begrenzt). Wenn die Testfahrt (im Renntempo aber im Pulk der KI) die Brauchbarkeit ergibt, wird die Strecke nicht gespeichert sondern sofort neu, diesmal mit grob gesetzten CPs, angelegt. Wieder Testfahrt und Sammeln von Information, wo CPs besser, zusätzlich und/oder enger gesetzt werden müssen; nochmaliges Anlegen in einer Qualität, die für Mike zum Testen zumutbar ist (das passiert nicht unbedingt alles am gleichen Tag, manchmal liegen da Wochen dazwischen).
  •  Aufnahme des Entwurfs in die Excel Liste.
  • Manchmal – eher selten – folgt Mike meinen Vorschlägen für bestimmte Autos oder welche Strecke(n) wir in welchem Monat verwenden. Drei Beispiele: (i) die Straßenstrecke im Februar (Porsche 917 LH) hatte ich für den März / Audi R8 vorgesehen – keine Chance, ich musste dann ganz rasch eine neue für den Audi machen – (ii) der Eagle Speedster – monatelang lag ich ihm in den Ohren, bis er sich endlich erweichen ließ und (iii) es gibt eine Dirtstrecke, die Mike besonders gut gefällt und die er daher „jetzt sofort“ einsetzen möchte – und ich kämpfe jeden Monat, weil ich sie für den Saisonabschluss reservieren will.

Entwürfe bastle ich fast ausschließlich mit einem Zweitaccount – unter mnikg muss ich für jede neue Strecke eine bestehende löschen.

Vom Entwurf zur Challengestrecke:

  • Mike fährt die Entwürfe und kommentiert; dabei testet er unterschiedliche Autos, um ein Gefühl für den richtigen Leistungsindex zu bekommen (wir haben eine lange Liste an potenziellen Autos, die wir einsetzen können/möchten – aber dazu mehr in einer anderen Folge von „Der Blick hinter die Kulissen“).
  • In regelmäßigen Abständen verabreden wir uns über Discord und fahren gemeinsam; dabei entwickeln wir Ideen für alternative Linienführungen (nur als Beispiel: den Schlussabschnitt in Mortimer Gardens für die Dirtstrecke diesen Monat gab es in fünf Varianten) und versuchen, das ideale Auto zu finden (dabei darf ich die Rolle des „komme ich mit der Karre gerade noch irgendwie zurecht“ spielen).
  • Einige Strecken werden bei diesen Testfahrten aussortiert, andere mit Ideen versehen, wie sie besser werden könnten; das wird alles in die Excel Datei eingebaut samt Festlegungen, in welchem Monat und mit welchem Auto gefahren werden soll; und ganz wichtig und teilweise sehr zeitraubend: Jahreszeit, Tageszeit und Wetter; manchmal wünscht sich Mike Strecken in fünf, sechs verschiedenen Einstellungen, bis er (endlich) zufrieden ist.
  • Etwa zwei Wochen vor Monatsbeginn wird die Strecke final angelegt; manchmal – sehr selten – passt schon der erste Durchgang, meistens braucht es drei bis vier Versuche, bis die CPs alle angemessen gut gesetzt sind; die Endabnahme der Strecke erfolgt in Abstimmung mit Mike zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt, an dem er sie noch einmal testet (oder zur Nachbesserung auffordert – was zum Glück bisher noch nie geschah); dann wird sie wieder durch eine Dummy ersetzt (man kann pro Startpunkt fünf Strecken anlegen, für jede weitere muss man eine bestehende überschreiben; die Datei mit der überschriebenen Strecke bleibt aber erhalten) und erst wieder zur Veröffentlichung knapp vor Monatsende freigegeben.

Den Designern soll ausreichend Zeit für ihre optimierten Kunstwerke gegeben werden. Daher versuchen wir, das Auto immer schon gut zwei Monate im Voraus festzulegen.

Ihr seht also, dass der Weg zur Challengestrecke mit den letztlich gewählten Einstellungen ein durchaus langer und beschwerlicher sein kann. Unterschätzt nicht, wie oft Mike die Strecken testen muss: unterschiedliche Autos, andere Jahres- und Tageszeitzeiten, trocken oder feucht … er kommt dabei auf eine Unmenge an Trainingseinheiten (ob das dann bei der Zeitenjagd entscheidend hilft???)

Die Limitierungen:

  • Als Startpunkte funktionieren (leider) nur die der Originalstrecken für Straßen- Dirt- und Querfeldeinstrecken – man kann allerdings die Art frei wählen, also zB. an einem Querfeldein-Startpunkt eine Straßenstrecke anlegen.
  • Auch die Richtung ist vorgegeben; damit ähneln alle „Eigenen Strecken“ anfänglich den Originalen.
  • Die maximale Streckenlänge sind 40 Meilen (64,4 km), das Limit für Checkpoints liegt bei 250 – beides bildet keine Einschränkungen für Challengestrecken.
  • Es gibt keine Möglichkeit, Streckenbegrenzungen – egal ob zerstörbar oder nicht – zu bauen, außer Checkpoints zu setzen – daher im Regelfall sehr viele (die Dinostrecke hat auf ihren knapp 7 km 115 CPs!).
  • Es gibt nur ganz wenige Möglichkeiten für Rundstrecken mit Zeiten von deutlich unter zwei Minuten pro Runde – ideal wären 1:15 bis 1:30; daher fahren wir überwiegend – fast ausschließlich Sprints.
  • Checkpoints haben einen Mindestabstand – sieht man zB. deutlich bei 90°-Kurven; dort kann man entweder einen CP vor der Kurve und einen danach setzen oder einen im ca. 45°-Winkel im Scheitelpunkt. Ich verwende meistens den CP direkt im Scheitelpunkt, der nächste – um den Ausflug in die Botanik zu begrenzen – folgt dann im Mindestabstand.
  • Eine Beschränkung gilt nur für Challengestrecken: an manchen Startpunkten kann man die KI nicht (oder nur schlecht) unmittelbar nach dem Start auf einen Umweg schicken (zB. einige Startpunkte in Edinburgh).

Die größte Einschränkung bildet natürlich, dass man die Strecke nicht an einer beliebigen  Stelle beginnen kann. Irgendwann hat man jeden brauchbaren Startpunkt benützt und wirklich neue Layouts sind damit enden wollend …

Ausblick:

Für heuer haben wir noch genügend Strecken, die restlichen Monate sind sowohl hinsichtlich Strecke als auch Auto fixiert und für die offenen Slots gibt es genügend Auswahl bzw. Ideen zur Verbesserung von Entwürfen oder noch die Wahl zwischen zwei, drei möglichen Autos.

Aber hier mal gleich als Vorwarnung: wenn wir auch 2021 eine volle Saison machen wollen, werden wir um ein gewisses Ausmaß an Wiederholungen (nicht unbedingt exakt, aber „hoher Wiedererkennungswert“ und natürlich ein ganz anderes Auto) nicht herumkommen. Ein paar Strecken retten wir über die Saison, aber für ein volles Jahr wäre es unmöglich, gänzlich Neues zu erschaffen.

Zum Abschluss: die wahre Geschichte hinter „Eine vom Azubi“:

Wir wollten auch mal eine Straßenstrecke auf Fortune Island. Die Möglichkeiten dort sind, ähnlich wie im Legoland, doch sehr eingeschränkt. Ich habe im April mal vier Strecken (faktisch eine Strecke mit mehr oder weniger unterschiedlichen Layouts) angelegt. Im Mai sind wir die gemeinsam gefahren. Keine hat Mike voll überzeugt und wir haben unterschiedliche Streckenführungen diskutiert („wenn du hier statt links nach rechts abbiegst“ … „und den Abschnitt streichen, dafür die beiden Kurven mitnehmen“ …). Er hat nur so gesprüht vor Ideen und irgendwann habe ich dann gänzlich den Durchblick verloren. Also: „Wenn du die Strecke eh schon im Kopf hast, dann leg sie doch gleich selber an – einfach nur fahren, ohne CPs“. Das führte zu einer Einführung in das Anlegen von Routen, was überraschend schnell und gut funktioniert hat … einen CP hat er dann doch eingebaut, weil er nicht gleich gefunden hat, wie man die Ziellinie setzt.

Und dann hat Mike wieder – ganz klassisch – den Herrn Direktor mit seiner hohen und unnachahmlichen Delegationskompetenz herausgelassen und gemeint, die harte Arbeit sei getan, um die Details könne ich mich jetzt kümmern. Als „Belohnung“ hat er endlich den Speedster als  „ok, für diese Strecke geht der“ akzeptiert.

Eigentlich war die Straßenstrecke auf FI erst für September oder Oktober vorgesehen, aber wir konnten es nicht erwarten, sie euch vorzustellen. Die Pinselschwinger haben wir damit etwas unter Zeitdruck gesetzt, aber sie haben gemeint, damit umgehen zu können.

Die Strecke im Originalentwurf („Mike proudly presents“): 829 483 854

Ich hoffe, das war informativ. Anregungen, Wünsche, Beschwerden, vor allem aber konstruktive Kritik, werden gerne entgegengenommen – hier in den Kommentaren oder auf Discord.

Viel Spaß bei den kommenden Challenges, Klaus (mnikg)

Wir holen etwas aus der Mülltonne. Recycling beginnt – man könnte behaupten auf besonderen Wunsch. Aber mit ganz anderen Autos wird das schon eine neue Herausforderung.

Ist das überhaupt noch Recycling oder schon Upcycling? 

3 thoughts on “Beziehungsarbeit

  1. Amrumer 30. Juni 2020 / 16:52

    Ick freue mir! Vielen Dank für die tolle und aufwendige Arbeit!!! 🙂

  2. Nordschleife76 30. Juni 2020 / 16:49

    Oha, wieder eine spannende Aufgabe! Ich bin fast schon am basteln für ein passendes Tuning, aber zuerst heißt es einen Eindruck von der Strecke und dem Auto machen. Wie immer beeindruckend was ihr da für Zeit reinsteckt

    • mnikg 30. Juni 2020 / 17:48

      Wenn du den MG auch so stabil hinkriegst wie den S4, dann mache ich einen tiefen Kniefall. Mich schleudert es mit der Karre grausam durch die Gegend … S1 eben, weit außerhalb jeglicher Komfortzone.

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